'Packt eure Herzen in Alufolie, dass sie geschützt sind, wenn ihr aus dem Haus geht, und reicht sie nicht frei rum' - so ist das zu finden in einer Kurzgeschichte von Nadja Einzmann.
Das sticht doch sofort ins Auge - und mir so weit, dass es sogar richtig wehtut. Ich mein, was haben wir davon, wenn wir unsere Herzen verschließen bzw. nicht verschließen sondern eher nicht öffnen. Wie sollen wir da bitte neue Dinge, neue Menschen kennen oder lieben lernen, wenn unser Herz verschlossen ist?
Ok, vielleicht darum, weil immer ein gewisser Risikofaktor im Spiel ist. Wenn ihr euer Herz öffnet, ist es viel leichter, euch zu enttäuschen und zu verletzen, als wenn ihr euer Herz gar nicht erst öffnet.
Soll man da jetzt das Risiko eingehen, dass man vielleicht unter Umständen verletzt wird, oder eben nicht so aufgeschlossen und herzlich die Welt begrüßen? Für mich war das irgendwie schon immer so. Ich geh das Risiko ein. Immer. Ich pack mein Herz doch nicht in Alufolie und halte eher Distanz. Ich glaub ich könnte das auch gar nicht, denn ich fang ziemlich schnell an, Menschen zu mögen. Es kommt vor, dass ich enttäuscht werde und das tut weh. Doch da hab ich einfach neue Erfahrungen gesammelt - denn ja, man kann in allem etwas Gutes sehen.
Menschen, die von vorne rein sagen 'Das wird nichts, das mach ich nicht' bei denen geht es schief, bevor sie überhaupt etwas gemacht haben. Aber Menschen die sagen 'Ich mach und kann das' die können gar nicht mehr versagen. Und, wenn man sein Herz in Alufolie packt, kann man nicht enttäuscht werden, dafür aber auch nicht glücklicher. Aber die Menschen, die ihr Herz öffnen, die haben schon alles gewonnen.
Vielleicht hast du recht, man ist zwar sicherer, aber nicht glücklicher. (Ich muss sagen, ich bin lieber auf der sicheren Seite, da nehme ich die langweiligen Aspekte in Kauf.) Ich finde jedoch nicht, dass man viel gewinnt, wenn man sich wirklich jedem öffnet. Die meisten Menschen können nämlich nicht so damit umgehen, wie man es sich wünscht, und das führt irgendwann zwangsläufig dazu, dass man richtig übel enttäuscht und verletzt wird. Glaub mir, 95% der Menschen sind es nicht wert, und manchmal will ich selbst mit den übrigen 5% nichts besprechen. Klar, man braucht auch schlechte Erfahrungen, sonst lernt man nichts dazu und die schönen Erfahrungen bleiben halt "nett" aber auch nicht mehr. Wir brauchen beides, aber ich würde mich nie darauf einlassen alles zu erzählen. Das Risiko ist mir persönlich zu hoch, da bin ich nicht so mutig wie du :)
AntwortenLöschenDas lustige ist, dass ich als erstes auch gedacht habe, dass es da total viele Menschen gibt, bei denen es sich einfach nicht lohnt, irgendetwas von dir preis zugeben. Aber dann hab ich da drüber nachgedacht und na ja, ich kenn wirklich fast keinen, dem ich nichts erzählen würde. Vielleicht die Menschen, die ich sowieso nur vom Sehen her kenne oder so. Aber ich weiß nicht, das ist ja dann auch sowas, was jeder für sich entscheidet. Das ist kein Mut, das ist nur der Glaube an die - hoffentlich noch existierende - Menschheit.
LöschenDas ist der Punkt - die Menschen sind im Allgemeinen viel zu abgebrüht und falsch, als dass ich ihnen einfach so ohne Weiteres etwas anvertrauen würde. Da kommt selten was Gutes bei raus. Natürlich gibt es wundervolle Menschen, die mich mit ihrer Art erstaunen, aber viele davon gibts eben nicht. Aber schön, dass du so viel Hoffnung hast.
LöschenNaja ich denke man sollte versuchen ein zwischending von beidem zu finden. Es ist meistens nicht so vorteilhaft sein Herz ganz für andere Menschen zu öffnen und und quasi "nackt" vor seinen Mitmenschen zu stehen. Aber es ist auch nicht wirklich schön, wenn man sein Herz total verschließt und nichts an sich heran lässt. Ich persönlich hab die letzten Jahre eher nach der Taktik mit dem Herz verschließen gelebt und muss sagen, dass mich das gar nicht glücklich gemacht hat. Man hat eigentlich eine Schutzwand um sich herum und isoliert sich von der Außenwelt. Wenn man sein Herz ganz öffnet, dann ist man einfach extrem verwundbar. Das wäre eigentlich kein Problem wenn die heutige Menschheit anders wäre. Aber das ist sie einfach nicht und deswegen wird man zu oft verletzt. Das beste ist einfach, wenn man versucht ein Kompromiss zwischen beiden Extremen zu finden und versucht bewusst und offen, aber dennoch vorsichtig und abwägend auf andere Menschen zu geht.
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